Herausfordernde Verhaltensweisen zeigen sich u.a. als Apathie, Agitiertheit, Aggression, Kotschmieren, Urinieren, Schlaf-Wach-Rhythmus-Umkehr, Schreien und Rufen oder Bewegungsunruhe.

Um mit ihnen angemessen umgehen zu können, muss man sie verstehen. Das Praxishandbuch: – bietet eine detaillierte Darstellung aggressiver und nicht aggressiver herausfordernder Verhaltensweisen – stellt anschaulich mit Modellen und Beispielen dar, wie herausfordernde Verhaltensweisen eingeschätzt und erklärt werden können – analysiert und kritisiert die Rolle und den Einsatz von Neuroleptika bei Demenzen – gibt einen Überblick über mögliche psychologische und nicht-pharmakologische Interventionen, wie Aromatherapie, Bewegung, Musiktherapie, Psychotherapie, Realitätsorientierung, Reminiszenztherapie, sensorische Stimulation und kognitive Anregung, tiergestützte Therapie, Werkzeugkisten-Ansatz sowie Umgebungsanpassung und Verhaltensmanagement. Die zweite, vollständig überarbeitete Auflage wurde um neuere Studien und Praxisrichtlinien erweitert. Neue Kapitel über kontroverse Themen im Verhaltensmanagement von Menschen mit Demenz wurden ergänzt, wie z.B. Lügen und Täuschen, freiheitsbeschränkende Maßnahmen, Sexualität und LGBT-Themen, tiergestütze Therapie, Gewalt und Rassismus gegenüber Teammitgliedern.

Rezension:

Mit dementiellen Veränderungen sind häufig herausfordernde Verhaltensweisen verbunden. Vielen Menschen, die Betroffene als Angehörige oder auch als professionell Pflegende begleiten, haben immer wieder keine passenden Antworten darauf. Situationen eskalieren, alle involvierten Menschen geraten in subjektive Überforderungen. Geholfen ist damit niemandem. James und Jackman liefern mit dem Buch „Herausforderndes Verhalten bei Menschen mit Demenz“ keine Patentrezepte für den Umgang mit dementiell veränderten Menschen. Ihr Buch bietet die eine oder andere Reflexionsmatrix an, um zu möglichst individuellen Lösungen zu kommen. Etwas Schatten ist mit dem Buch verbunden, da ein Verständnis des herausfordernden Verhaltens vorgestellt wird, das es als pathologisch ansieht. In der psychosozialen Versorgung gibt es inzwischen Vordenker, die auffälliges Verhalten als tief mit dem Menschen verbundene Botschaft deuten. James und Jackman sehen Verhaltensweisen als herausfordernd an, „wenn sie der Person selbst oder dem Setting, in dem sie stattfinden, Schwierigkeiten bereiten“ (S. 31). Diese Formulierung fordert zum Diskutieren auf. Schließlich weiß der Betroffene oder die Betroffene es nicht besser, die Menschen um sie oder ihn herum wissen das Verhalten nicht zu parieren. Verhaltensweise würden als herausfordernd bezeichnet, „wenn sie in irgendeiner Weise als negativ empfunden werden, entweder von der Person selbst oder von Personen, die von Handlungen betroffen sind“ (S. 33). Für das Verstehen herausfordernden Verhaltens greifen James und Jackman auf das Eisberg-Modell zurück. Sie sehen die Emotionen und die Verhaltensweise als die Spitze des Eisbergs. Darunter verborgen finden sich der kognitive und der neurologische Status, metabolische Veränderungen und eine prämorbide Persönlichkeit, Wahrnehmungsdefizite und Problematiken um die Einnahme von Medikamenten. Nicht zu unterschätzen sind beim Verständnis herausfordernden Verhaltens die Kontext-Faktoren. Gerade bei dem Nachdenken über die Ursachen herausfordernden Verhaltens beeindruckt das Buch von James und Jackman. Mit den „klinischen Behandlungsansätzen“ suchen James und Jackman nach den Pfaden der Evidence Based Medicine und des Evidence Based Nursing. Dies unterstreicht natürlich die Fachlichkeit des Nachdenkens über das herausfordernde Verhalten bei Menschen mit Demenz. Bei der Auseinandersetzung mit den „pharmakologischen Behandlungsansätzen“ unterlassen es James und Jackman leider, auf die Gefahr hinzuweisen, dass pharmakologische Interventionen nie allein genutzt werden sollten. Stattdessen schreiben sie, Medikamente spielten bei der Behandlung von herausforderndem Verhalten eine extrem wichtige Rolle (S. 53). Zur Sensibilisierung professionell Pflegender und pflegender Angehöriger beschreiben James und Jackman ein Kommunikations-und Interaktionstraining. Wenn die Praktikerinnen und Praktiker sich diesem Training öffnen, dann haben sie bereits viel dafür getan, dass pharmakologische Interventionen gar nicht erst versucht werden müssen. Das Buch „Herausforderndes Verhalten bei Menschen mit Demenz“ überzeugt mit strukturierten Interventionen sowie einer gelenkten Herangehensweise an das Phänomen. Es muss mit einem wachsamen Auge gelesen werden, so dass vor allem die menschlichen Aspekte auffälligen Verhaltens nicht in Vergessenheit geraten. Ein begeisteter Leser

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