Entsprechend dem Grundsatz „ambulant vor stationär“ wünschen sich viele Menschen, möglichst lange im Alter in ihrem eigenen Zuhause leben zu können. Mit zunehmenden körperlichen oder kognitiven Einschränkungen gestaltet sich der Alltag von Senior:innen häufig beschwerlich. Wiederholte Krankenhausaufenthalte oder Vereinsamung gilt es zu verhindern, denn so stellt sich keiner das Leben zu Hause vor!

Was aber tun? Die examinierte Krankenschwester Sonja Fröse (bereits Buchautorin einiger Fachbücher für Pflegefachkräfte) und die Dienstleistungsmanagerin Margit Krüger haben im Sachbuch „Zu Hause statt Pflegeheim“ umfassend anhand jedes einzelnen Zimmers kleinere und größere Veränderungen bis hin zu Umbauten benannt. Dazu gibt es noch ein Kapitel, das sich speziell mit dem Bereich vor dem Haus beschäftigt: Lichtverhältnisse, Brief-, Post- und Paketkasten, Schließsystem und Klingelanlage. Gerade hinsichtlich eines Notfalls in der Häuslichkeit geht es hier um entsprechende Erreichbarkeit durch den Rettungsdienst. Echt wichtig!

Ergänzt werden die wohnlichen und baulichen Ratschläge durch personelle Unterstützungsmöglichkeiten wie ambulante Pflege, fahrbaren Mittagstisch, Tagespflege und 24-Stunden-Versorgung. Dennoch schreiben sie, dass weitere Beratungen von Wohn- und Pflegeberatern sinnvoll und notwendig sind, da jede Situation individuell zu betrachten sei.

Eine dritte notwendige Säule, um das Leben zu Hause möglichst lange zu gewährleisten umfasst die eigenen Handlungen der Senior:innen wie die regelmäßige Medikamenteneinnahme, ausreichende Trinkmenge und allgemeine Sicherheitshinweise.

Auffallend an dem Sachbuch „Zu Hause statt Pflegeheim“ mit der Zielgruppe Senior:innen und deren Angehörige ist die übersichtliche Gestaltung mit einem Kernsatz auf jeder Seite, zahlreichen ansprechenden Bildern, ergänzenden Graphiken und einer angenehm lesbaren Schriftgröße. Die Sprache ist überwiegend einfach gehalten und die Sätze kurz – das sorgt für ein klares Verständnis bei der Zielleserschaft. Die Leser:innen werden häufig direkt angesprochen.  Farblich abgesetzte Textfelder „Wir empfehlen“ bieten ganz konkrete Tipps und Hinweise an.

Hauptthema sind wohnliche und bauliche Veränderungen. Es werden zwar die wohnumfeldverbessernden Maßnahmen im Rahmen des § 40 SGB XI (einhergehend mit einem vorhandenen Pflegegrad) erwähnt, aber deutlich zahlreicher genannt werden bereits präventive Umgestaltungsmöglichkeiten und das Erkennen der Notwendigkeit selbst. Ganz klare Aussage des Buches ist, bereits vor den auftretenden Einschränkungen sich mit der Thematik der barrierearmen Wohnumgebung zu befassen und entsprechend die Häuslichkeit individuell anzupassen. Dazu wird zum Anregen im Stichwortregister aufgefordert, wo sich beispielsweise „falsche Polizisten“, „Luxus“ oder „Überhitzungsschutz“ finden lassen. Eine der Kapitelüberschriften lautet so beispielsweise „Machen Sie es sich leichter, näher und bequemer“.

Zahlreiche Checklisten auch für den Außenbereich oder Balkon und Terrasse ermöglichen den Leser:innen einen Ist- Zustand der jetzigen Wohnverhältnisse aufzunehmen. Häufig ergibt sich aus der Fragestellung schon ein Lösungs- oder Handlungsansatz. Wenn Stufen, Schwellen und Treppen oder die Badewanne zu Hindernissen werden, nachlassende Sehkraft durch unzureichende Beleuchtung verstärkt wird und technische Erleichterungen nicht genutzt werden, ist das schade und erhöht unnötig beispielsweise die Sturzgefahr.

Das Buch „Zu Hause statt Pflegeheim“ schließt eine Lücke im Buchmarkt und spricht ein allgemein gesellschaftliches Thema an. Statistiken zeigen auf, dass es deutschlandweit zu wenig seniorengerechten bzw. barrierearmen und barrierefreien Wohnraum gibt. Daher ist der Titel des Buches fast zu gering gegriffen, denn Barrierefreiheit ist altersunabhängig und universell zu verstehen. Junge Leser:innen mit körperlichen Einschränkungen und die sogenannten SilverAger stehen noch lange nicht vor der Frage nach einem Heimeinzug und würden dennoch von zahlreichen Hinweisen aus dem Buch profitieren.

Der Ansatz vorhandenen Wohnraum entsprechend anzupassen ist in Bezug auf die emotionale Verbundenheit mit der Immobilie, gerade wenn es sich um das eigene Elternhaus handelt oder man bereits seit vielen Jahrzehnten dort wohnt nicht zu unterschätzen. Selbstverständlich sind die  gegebenen finanziellen Möglichkeiten unbedingt ein notwendiger Bestandteil des ambulanten Versorgungssystems und letztlich ein wichtiger Teil der Entscheidungsfindung, wenn es um größere Umbauten geht.

Derzeit werden noch viel zu wenige der machbaren Möglichkeiten umgesetzt, was einerseits an dem mangelnden Wissen der Endverbraucher:innen über die zahlreichen konkreten Gestaltungsmöglichkeiten liegen mag, andererseits auch daran, dass finanzielle Förderungen im Rahmen von Bundes- und Länderzuschüssen nicht bekannt sind. Daher befasst sich ein Kapitel im Buch „Zu Hause statt Pflegeheim“ mit finanziellen Förderungsmöglichkeiten. Sicher für viele Leser:innen und Beteiligte interessant und hilfreich.

Weitere klare Aussage des Sachbuches: Durch entsprechende Wohnraumanpassung kann das Leben in den eigenen vier Wänden sowohl für die Betroffenen als auch für die Angehörigen und Pflegekräfte deutlich vereinfacht werden. Krankenhausaufenthalte können vermieden oder reduziert werden und die Selbständigkeit wird erhöht. Langfristig sparen sich dadurch Kosten. Wer beispielsweise einen selbstfahrenden Staubsauger oder Rasenmäher nutzt, benötigt weniger Manpower. Neben bekannten Treppenlifter-Systemen werden auch unbekanntere Umbauten oder Hilfsmittel vorgestellt.

Leider haben Senior:innen häufig Bedenken, wenn es um größere Veränderungen geht: Zu teuer, zu laut, zu viel Schmutz und fremde Menschen im Haus. Wie helfende Personen die Betroffenen unterstützen können, wird daher ebenso beschrieben. Es wird Mut gemacht, weiter am Ball zu bleiben. Immer wieder die entsprechenden Vorteile aufzuzeigen und einzelne Handlungsschritte nach und nach umzusetzen, um alle Beteiligten mitzunehmen. Wiederholt kommt daher der Ratschlag sich individuell beraten zu lassen.

Praxisnah und sympathisch erscheinen die Kapitel „Haustiere im Seniorenhaushalt“. So altern die geliebten felligen Vierbein teilweise mit den Senior:innen mit oder es geht um die Neuanschaffung von Haustieren – auch ohne Fell! Drei Kapitel befassen sich mit speziellen Wohnraumanpassungsmaßnahmen für Menschen mit Demenz, Sehminderung und Blindheit sowie Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit. Symbole markieren Ideen für den kleinen Geldbeutel oder Geschenkideen – das ist für die Angehörigen nützlich.

Im Anhang finden sich weitere ergänzende Kapitel über Betreutes Seniorenwohnen oder 24-Stunden-Versorgung, die gerne ausführlicher und umfangreicher hätten beschrieben werden können, beispielsweise ebenfalls mit jeweils einer Checkliste.

Das Sachbuch „Zu Hause statt Pflegeheim“ eignet sich ideal für selbstbestimmte Senioren, die sich erstmalig aktiv mit ihrer Wohnsituation auseinandersetzen möchten. Daher hat es seine Zielleserschaft nicht verfehlt. Empfehlenswert ist es zudem für Sorgende und Pflegende Angehörige (SPA), die vor der Frage der Versorgung und Unterstützung ihrer Angehörigen stehen. An dieser Stelle sei auf ein Kapitel verwiesen, das sich mit Grenzen der häuslichen Versorgung beschäftigt. Dies ist ein nicht zu vergessender Punkt!

Tagespflegeeinrichtungen und Beratungsstellen, ambulante Pflegedienste, Immobilienmakler, Handwerker, Dienstleister, Wohnungsbaugenossenschaften oder Seniorenverbänden und alle, die sich mit der Thematik Wohnen im Alter oder Barrierearmes Wohnen befassen, finden hier eine interessante Schnittstelle zwischen den baulichen und dienstleisterischen Möglichkeiten der Versorgung von Senioren in der Häuslichkeit.

Sie können der Autorin Sonja Fröse auf ihrer Homepage unter www.sonjafroese.de kontaktieren oder auf Instagram unter Sonja Fröse folgen.

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„Zu Hause statt Pflegeheim“ ist im Singliesel Verlag erschienen, umfasst 197 Seiten, 67 Abbildungen und kostet 24,95 Euro. ISBN: 9 783944 360133.

So können Sie das Buch bestellen: https://amzn.to/3g3h0E1

Das Buch wird im Juli 2021 bei uns verlost. Sei gespannt. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

 

https://www.singliesel.de/ratgeber/betreuung-beschaeftigung/515/zu-hause-statt-pflegeheim

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Rezensionen:

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Gerade für Menschen, die sich ohne Vorerfahrungen (kurzfristig) mit dem Thema befassen (müssen) bietet es einen sehr guten Überblick mit zahlreichen Tipps. Mir gefällt es wirklich sehr gut, dass an gefühlt alles gedacht wird (z.B. Anschaffung von Haustieren mit ihrer Lebenszeit). Besonders lobend hervorheben möchte ich den Abschnitt Perspektivenwechsel. Vieles bleibt manchmal leider ungesagt, sodass man sich so vielleicht mehr Gedanken macht und in die Situation des anderen hineinfühlt. Das ganze wird verbunden durch einen einfachen Schreibstil mit Bildern, Grafiken und Checklisten. Ich bin voll zufrieden damit und vergebe 5 Sterne. Eine begeisterte Leserin

Ganz herzlichen Dank dafür! Es ist ein schönes Buch und das meine ich wörtlich: man fasst es gerne an, es ist von der Aufmachung her ausgesprochen gut gemacht, hat eine Schrift, die sich gut lesen lässt , ein übersichtliches Inhaltsvereichnis und Seitenlayout, läd ein zum Blättern und hat gute Informations- und Nachschlagteile. Ich gratuliere! Eine begeisterte Leserin

„Zu Hause statt Pflegeheim“ von Sonja Fröse und Margit Krüger ist erschienen bei SingLiesel. Der Untertitel verspricht Möglichkeiten, Maßnahmen, Fördermittel. Für ein langes Leben in den „eigenen vier Wänden“ – das alles im DIN A4-Format und auf knapp 200 Seiten. Bei einem ersten Durchblättern fallen mir die große Schrift und der große Zeilenabstand positiv auf. Die Hauptüberschriften sind in Rot gehalten. Das Buch ist durchgehend illustriert, enthält verschiedene übersichtliche Tabellen, Checklisten und farblich unterlegte Empfehlungen. Eine tolle Idee ist das Geschenke-Symbol als Hinweis auf sinnvolle Geschenkideen. Das Symbol eines Sparschweins weist darauf hin, dass es Anregungen für Umbauten und Änderungen für jeden Geldbeutel gibt. Das alles habe ich auf den ersten Blick entdeckt, doch der Ratgeber für Senioren, Angehörige und andere Interessierte hat noch viel mehr zu bieten. Das zeigt ein übersichtliches Inhaltsverzeichnis mit Kapiteln, die häufig mit vielen Untertiteln ins Detail gehen. Ob es um bauliche Standards geht oder um Kommunikationsmöglichkeiten, eine Notfall-Telefonliste, die häusliche Sicherheit, altersgerechte Möbel oder auch um Anpassung und Veränderung einzelner Räume oder um Veränderungen im Außenbereich oder… Es scheint keine Frage zu geben, die das Buch nicht beantwortet. Hilfreich bei der Suche ist ein Stichwortverzeichnis am Ende des Buches ebenso wie eine Übersicht mit Adress- und Kontaktdaten in alphabetischer Ordnung. Alles ist einfach und gut verständlich erklärt. Ich persönlich habe mit diesem Ratgeber ein wunderbares Hilfsmittel gefunden, um für aufkommende Fragen im Seniorenkreis gewappnet zu sein. Ein begeisteter Leser