Rund 4,2 Millionen Menschen sind aktuell auf Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung angewiesen. Viele von ihnen sind aufgrund der hohen Pflegekosten in die Sozialhilfe abgerutscht. Das ist einer der Gründe für die Pflegereform 2021, deren Rahmenbedingungen Gesundheitsminister Jens Spahn in einem Eckpunktepapier vorgelegt hat und die noch in der laufenden Legislaturperiode von Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden soll. Was das für die häusliche Pflege und pflegende Angehörige bedeutet – informieren Sie sich hier.

Die Eckpunkte der Pflegereform 2021

Die Pflegereform 2021 basiert auf drei Säulen und wird getragen von der Vorstellung des Gesundheitsministers, dass die “Pflege die soziale Frage der 20er Jahre” sei

  1. Der Eigenanteil für die Pflege in einem Alten- oder Pflegeheim soll der Höhe nach auf 700 Euro monatlich bei einer Dauer von mehr als 36 Monaten gedeckelt werden.
  2. Die häusliche Pflege soll verbessert und einfacher organisiert werden, wobei auch pflegende Angehörige für die häusliche Pflege mehr Leistungen bekommen sollen.

Für die Kostenübernahme der professionellen Pflege werden nur noch die Pflegeheime und ambulante Pflegedienste anerkannt, die tarifähnlich oder nach Tarif entlohnen.

Die Pflegereform 2021 und ihre Auswirkungen auf die häusliche Pflege

Die Pflegereform 2021 sieht vor, dass zu Hause betreute Pflegebedürftige finanziell spürbar entlastet werden. Dazu werden die Leistungen der Pflegekasse ab dem 1. Juli 2021 um 5 Prozent erhöht, was gleichermaßen für das Pflegegeld und für Pflegesachleistungen gilt. Pflegegeld wird bei der häuslichen Pflege durch Angehörige gezahlt, während Pflegesachleistungen bei der Pflege durch einen professionellen Pflegedienst erbracht werden.

Die höhere finanzielle Entlastung bei der häuslichen Pflege orientiert sich am jeweiligen Pflegegrad und bedeutet in Zahlen ausgedrückt folgende Zuschläge:

  • Pflegegrad 2: Erhöhung des Pflegegeldes von 316 Euro auf 332 Euro und von Pflegesachleistungen von 689 Euro auf 723 Euro im Monat
  • Pflegegrad 3: Erhöhung des Pflegegeldes von 545 Euro auf 572 Euro und von Pflegesachleistungen von 1.298 Euro auf 1.363 Euro monatlich
  • Pflegegrad 4: Erhöhung des Pflegegeldes von 728 Euro auf 764 Euro und der Pflegesachleistungen von 1.612 Euro auf 1.693 Euro im Monat
  • Pflegegrad 5: Erhöhung des Pflegegeldes von 901 Euro auf 946 Euro und der Pflegesachleistungen von 1.995 Euro auf 2.095 Euro monatlich

Pflegereform 2021: Änderungen in Bezug auf Pflegehilfsmittel sowie auf die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege

Durch die Pflegereform 2021 wird die Pauschale für Pflegehilfsmittel dauerhaft von 40 auf 60 Euro monatlich erhöht und ab dem Jahr 2023 an die jährliche Inflationsrate angepasst. Umfassender sind die Änderung bei der Verhinderungs- und Kurzzeitpflege. Sie werden zu einem Gesamtbetrag in Höhe von 3.300 Euro zusammengefasst. Dieses sogenannte Entlastungsbudget steht Angehörigen jährlich zur Verfügung, ohne dass eine Unterscheidung zwischen Verhinderungs- und Kurzzeitpflege vorgenommen wird. Voraussetzung für die Inanspruchnahme der Verhinderungspflege durch die Angehörigen war bislang die gesetzlich vorgeschriebene Vorpflegezeit mit einer Dauer von sechs Monaten. Diese wird mit der Pflegereform 2021 abgeschafft. Das eröffnet die Möglichkeit, die Leistungen individueller und konkreter an die Bedarfssituation anzupassen. Außerdem kann ab dem 1. Juli 2022 ein Teil des Entlastungsbudgets, nämlich 40 Prozent des Jahresbetrags, für die Ersatzpflege verwendet werden. Durch die Pflegereform 2021 soll es möglich sein, dass die häusliche Betreuung durch Angehörige in Kombination mit einem professionellen Pflegedienst noch besser aufeinander abgestimmt werden kann. “Das bedeutet konkret”, so Kerstin Machwitz, Agenturleiterin der Pflegehelden Ostwestfalen-Lippe (OWL), “dass Pflegebedürftige beziehungsweise die betreuenden Angehörigen frei entscheiden können, ob sie Zeitkontingente für die Leistungserbringung wählen oder ganze Leistungskomplexe in Anspruch nehmen möchten”. “Insoweit können die notwendigen Leistungen auf die jeweilige und vor allem individuelle Pflegesituation abgestimmt und entsprechend zusammengestellt werden”, erklärt Kerstin Machwitz diesen wichtigen Vorteil der gesetzlichen Neuerungen. Auch die 24-Stunden Betreuung durch ausländische Pflegekräfte wird in dem neuen Gesetzeswerk berücksichtigt. Unter bestimmten Voraussetzungen wird es möglich sein, bis zu 40 Prozent der für die Finanzierung von ausländischen Pflegekräften aufgewendeten Kosten als Pflegesachleistungen in der gesetzlichen Pflegekasse geltend zu machen. Bisher war es bei sogenannten Kombinationsleistungen (https://www.pflegehelden.de/pflegekasse-pflegefinanzierung/kombinationsleistung-geld-und-sachleistungen-kombinieren/) so: Je höher der Anteil des Pflegegelds, desto geringer ist die Summe des gesamten Unterstützungsbeitrags. Das wäre nach der Reform nicht mehr. Bis zu 40% können demnach für bestimmte Leistungen als Geldleistungen umgewandelt werden, ohne dass sich der gesamte Unterstützungsbeitrag sich reduziert.

Die geplante Pflegereform im Juli 2021 sieht Änderungen in verschiedenen Bereichen der Pflege vor. Wie wirken sich diese auf die häusliche Pflege und auf pflegende Angehörige aus? Wir geben einen Überblick über die wichtigsten Neuerungen für die Pflege zu Hause.

Unsere Gesellschaft wird immer älter und somit nimmt auch die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland stetig zu. Aktuell nehmen rund 4,1 Millionen Deutsche Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung in Anspruch – Tendenz steigend. Ziel der neuen Pflegereform ist es, diese Menschen zu entlasten und somit Pflege leistbarer zu machen. Wir informieren über wichtige Neuerungen und deren Auswirkungen auf die häusliche Pflege.

Was hat es mit der Pflegereform 2021 auf sich?

Im Oktober 2020 hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ein Eckpunktepapier zum neuen Pflegereformgesetz vorgelegt, welches zum 01. Juli 2021 in Kraft treten soll. Ziel ist es, Pflegebedürftige künftig finanziell stärker zu entlasten. Konkreter heißt es, man wolle die Zuschüsse für die ambulante Pflege erhöhen und den Eigenanteil in der stationären Pflege eingrenzen – sowohl finanziell als auch zeitlich.

„Jeder in die Pflege investierte Euro ist eine Investition in die Mitmenschlichkeit unserer alternden Gesellschaft“, so Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Die Pflegereform soll ab Juli 2021 schrittweise in Kraft treten. Bereits ab dem 01. Juli treten die Änderungen bezüglich des Pflegegeldes sowie der Pflegesachleistungen und der Tagespflegeleistungen in Kraft. Wann die weiteren Eckpunkte umgesetzt und geltend gemacht werden, steht bislang noch nicht fest.

Erhöhung von Pflegegeld & Pflegesachleistungen

Mit der neuen Pflegereform sollen Pflegebedürftige, die in den eigenen vier Wänden versorgt werden, finanziell stärker entlastet werden. Bereits ab dem 01. Juli 2021 sollen daher Pflegeleistungen (Pflegegeld und Pflegesachleistungen sowie Leistungen der Tagespflegeum 5 Prozent erhöht werden. Die entsprechenden Änderungen der Zuschläge sind in den folgenden beiden Tabellen dargestellt:

Erhöhung des Pflegegeldes

PflegegradPflegegeld ab 01.07.2021Pflegegeld bis 01.07.2021
2332 €316 €
3572 €545 €
4764 €728 €
5946 €901 €

 

Erhöhung der Pflegesachleistungen & der Tagespflege

PflegegradPflegesachleistungen & Tagespflege ab 01.07.2021Pflegesachleistungen & Tagespflege bis 01.07.2021
2723 €689 €
31.363 €1.298 €
41.693 €1.612 €
52.095 €1.995 €

 Alle Angaben sind ohne Gewähr.

Besonderheiten

Mit dem neuen Gesetz zur Pflegereform sollen außerdem bis zu 40 Prozent der Pflegesachleistungen für die 24-Stunden-Pflege verwendbar werden. Außerdem sollen Pflegebedürftige künftig selbst darüber entscheiden können, ob sie ambulante Pflegedienste nach Leistungs- oder Zeitkontingenten abrechnen möchten. Außerdem werden künftig nur noch solche ambulanten Pflegedienste von der Pflegekasse zugelassen, die nach Tarif bezahlen. Die ab dem 01. Juli 2021 geltenden Leistungsbeträge im Bereich der häuslichen Pflege sind in der folgenden Tabelle noch einmal gesammelt dargestellt:

PflegegradPflegegeld ab 01.07.2021Pflegesachleistungen & Tagespflege ab 01.07.2021
2332 €723 €
3572 €1.363 €
4764 €1.693 €
5946 €2.095 €

Alle Angaben sind ohne Gewähr.

Hinweis:
Die Leistungen des Pflegegeldes sowie der Pflegesachleistungen und der Tagespflege sollen ab 2023 jährlich an die Inflationsrate angepasst werden.

Quelle: Pflegereform 2021: Die wichtigsten Neuerungen in der häuslichen Pflege | Pflegix  

Quelle : Die Pflegereform 2021 und ihre Auswirkungen auf die häusliche Pflege (pflegehelden-owl.de)