Die Wundversorgung ist eines der zentralen medizinischen Themen, weil Wundversorgung bei jeder Alltags-Wunde, bei der Unfallversorgung und – über die eigentliche Wundversorgung hinaus – im Rahmen der ärztlichen Therapie einer Fülle von Erkrankungen eine Rolle spielt. Mit Wundversorgung haben die meisten Bürger gelegentlich und viele Patienten öfter zu tun, Wundversorgung betrifft wohl alle im medizinischen Bereich tätigen Menschen.  

Da die Empfehlungen zur Wundversorgung kaum einheitlich zu regeln sind, sondern vor allem im Bereich der Wundversorgung der chronischen Wunde zahlreiche Spezialvorschriften zu beachten sind, ist ein guter Überblick über den gesamten Bereich Wundversorgung für jeden im medizinischen Bereich tätigen Menschen um so wichtiger. Dieser Überblick wird nachfolgend geboten:

Was ist eine Wunde?

Eine Wunde liegt vor, wenn der Gewebszusammenhang eines schützenden Deckgewebes geschädigt wurde, das Gewebe also in mehr oder weniger großem Umfang getrennt wurde. Die Wunde kann das schützende Deckgewebe der äußeren Körperoberfläche (die Haut) betreffen, aber auch innere Körperoberflächen (Schleimhäute) schädigen. Eine Wunde kann durch äußere Einwirkung verursacht werden oder als Folge einer Erkrankung entstehen; sie kann, muss aber nicht mit einem Gewebsverlust verbunden sein.

Die Wundversorgung spielt im medizinischen Alltag eine wichtige Rolle. Eine gute Wundversorgung ist nicht nur für die Wundheilung wichtig. Da die Haut durch die Wunde ihre Schutzfunktion nicht mehr erfüllen kann, geht es bei der Wundversorgung auch um die Vermeidung von Infektionen, die zu weitergehenden Schädigungen führen können. Außerdem hilft immer die Wundversorgung am besten, die am besten an die jeweilige Wunde angepasst wird, weshalb eine Wunde in Bezug auf Wundversorgung und -heilung eingeteilt wird in:

Akute Wunde

Eine akute Wunde ist die Wunde, die durch eine plötzliche, gewöhnlich nicht vorhersehbare Einwirkung von außen verursacht wird. Die akute Wunde wird nach der Art der Einwirkung näher klassifiziert in:

Mechanische Wunde

Thermische Wunde

latrogene Wunde

Chronische Wunden

Als chronische Wunde wird eine Wunde bezeichnet, bei der vier bis zwölf Wochen (je nach Anlass und Therapie) Wundversorgung nicht ausreichen, um einen Verschluss der Wunde herbeizuführen. In den meisten Fällen wird hier die Wundheilung durch eine Grunderkrankung maßgeblich beeinflusst, die auch die Wundversorgung sehr schwierig macht:

Dekubitus Wunde

Ulcus Cruris

Diabetisches Fußsyndrom

Sekundäre Wundheilungsstörung

Von sekundärer Wundheilung wird gesprochen, wenn der normale Prozess der Wundheilung gestört wird. Diese Störung kann verschiedenste Ursachen haben; eine verlängerte Phase von Gewebsneubildung und Wundkontraktion sind charakteristisch für diese Form der Wundheilung. Bei dieser sekundären Wundheilung kann es verschiedene Schwierigkeiten bei der Wundversorgung geben, die dann als sekundäre Wundheilungsstörungen bezeichnet werden.

Was ist Wundversorgung?

Mit dem Begriff Wundversorgung wird die Behandlung einer Wunde bezeichnet. Die Wundversorgung besteht im wesentlichen aus dem Reinigen, Verschließen und Pflegen der offenen Wunde, die bei einer komplizierten, schlecht heilenden Wunde auch Wundmanagement genannt wird. Die Wundversorgung ist also eine therapeutische Maßnahme, die zunächst die Wundheilung so beschleunigen und unterstützen soll, dass sich das Gewebe schnell wieder belastbar verschliesst und nur eine möglichst kleine, ästhetisch ansprechende Narbe zurücklässt. Weiter soll die fachgerechte Wundversorgung einer Infektion der Wunde vorbeugen, die die Wundheilung stört und viele negative Folgen nach sich ziehen kann.

Damit die Wundversorgung gut funktioniert, müssen die verschiedenen Arten der Wunde nach dem jeweils neuesten Stand der Forschung und individuell an den (eventuell multimorbiden) Patienten angepasst versorgt werden. Während die primäre Wundversorgung nur in Einzelfällen Schwierigkeiten bereitet, ist die Wundversorgung einer schlecht heilenden Wunde und der chronischen Wunde ein sehr schwieriger und unglaublich weitläufiger Bereich der medizinischen Therapie.

Allgemeiner Ablauf in der Wundversorgung

Der allgemeiner Ablauf in der Wundversorgung gliedert sich in Reinigung, Desinfektion und Verschluss mit einer geeigneten Wundauflage.

In der Regel besteht die Wundversorgung aus folgenden Einzelschritten:

  • Hygienemassnahmen des Versorgers
  • Falls erforderlich, Blutstillung und Schmerzbekämpfung
  • Wunde reinigen
  • Wenn nötig, Wunde desinfizieren
  • Wunde mit geeigneter Wundauflage abdecken

Dieser allgemeine Ablauf der Wundversorgung betrifft vor allem die Erstversorgung, nach der bei einer kleineren Wunde nur noch die Wundheilung beobachtet werden muss. Bei einer größeren Wunde beginnt nun die individuelle Wundversorgung durch den Arzt, die neben dem Verbandswechsel weitere therapeutische Maßnahmen beinhalten kann.

 Klassische Wundversorgung vs. moderne Wundversorgung

Mit klassischer Wundversorgung ist die trockene Wundversorgung gemeint, bei der die offene Wunde mit einer trockenen, sterilen Wundauflage wie dem haushaltsüblichen Pflaster oder einer textilen Gazekompresse ohne feuchthaltende Substanz abgedeckt bzw. verbunden wird.

Bei kleineren Alltagswunden, Schnitten, Kratzern, reicht diese traditionelle Wundversorgung meist aus, weil sie folgende grundlegende Aufgaben erfüllt: Pflaster, Kompresse oder Verband nehmen das Wundsekret auf, polstern und schützen die Wunde gegen äußere Kontakte und können als Träger für Arzneimittel genutzt werden. Ein Nachteil der trockenen Wundversorgung ist jedoch die Austrocknung der Wunde, weshalb auch hier die feuchte Wundversorgung vorzuziehen ist .

Der Begriff “Moderne Wundversorgung” bezeichnet die Wundversorgung mit Wundauflagen nach den neuesten Experten Standards der dermatologischen Forschung. Schon seit längerem ist bekannt, dass Brandwunden und jede schlecht heilende Wunde besser unter speziellen Wundauflagen zum Beispiel: PolyMem heilen, die das Wundareal durchgehend feucht halten. PolyMem hat zudem noch eine reinigende und schmerzstillende  Wirkung.

Die Entwicklung neuer Materialien geht aber fortlaufend weiter, inzwischen stehen für die Wundversorgung der schwierigen Wunde in jeder der drei Phasen der Wundheilung eine Fülle neuer Wundversorgung-Materialien zur Verfügung, die den Prozess der Wundheilung immer besser unterstützen:

  • Hydrogele reinigen fast so gut wie der Körper, erweichen und lösen trockenes Gewebe, Nekrosen und Bio Beläge und halten dazu noch den Wundgrund feucht (z.B. Veriforte® Wundgel)
  • Schaumstoff-Wundauflagen aus biokompatiblem Polyurethanschaum können große Mengen von Wundexsudat aufnehmen und lassen sich trotzdem rückstandslos entfernen (z.B. DryMax Extra)
  • Silberhaltige Wundauflagen fördern die Wundheilung infizierter Wunden, indem sie Bakterien sicher vernichten (z.B. PolyMem Silver)

All diese neuen Verbandstoffe müssen gewöhnlich erst nach mehreren Tage erneuert werden, was für das Pflegepersonal eine entscheidende Arbeitsentlastung bedeutet. Außerdem fördert ein Verbandsmaterial, das nicht mit dem gerade neu gebildeten Gewebe verklebt, ungleich besser die Wundheilung und bereitet beim Verbandswechsel sehr viel weniger Schmerzen.

Bei der chronischen Wunde liegen die wirklichen Herausforderungen der Wundversorgung jedoch häufig darin, dass diese in einem Gesamtrahmen mit der Therapie der verursachenden Grunderkrankung geschehen muss.

Erste Hilfe bei Wunden

Die Erste Hilfe wird im Fachjargon provisorische bzw. temporäre Wundversorgung genannt.

Die Wundversorgung einer kleineren Gelegenheitswunde folgt im wesentlichen dem oben geschilderten allgemeinen Ablauf, nur das hier in der Regel medizinische Laien mit der Wundversorgung befasst sind. Diese Laien müssen sich bei der Wundversorgung natürlich auf die Punkte beschränken, die sie ohne Gefährdung des Patienten leisten können. Unkritisch möglich ist:

  • Vorläufige Blutstillung, bei schwacher Blutung durch mehrere sterile Kompressen, über die mit leichtem Druck eine Mullbinde gewickelt wird, bei stärkerer Blutung mit zusätzlichem Verbandspäckchen über der Wunde, über die eine Mullbinde straff als Druckverband gewickelt wird (unstillbare Blutungen sofort der ärztliche Wundversorgung zuführen)
  • Desinfektion mit einem milden Desinfektionsmittel aus der Hausapotheke, das für offene Wunden/Schleimhäute geeignet ist
  • Schmerzbekämpfung durch haushaltsübliche Schmerzmittel
  • Keimfreie/keimarme Abdeckung der Wunde mit sterilen Tupfern, Mullbinden, Kompressen aus der Hausapotheke oder handelsüblichen Pflastern
  • Fixierung der Wunde mit einer elastischen Binde
  • Hochlagerung betroffener Körperteile vor allem bei einer stärker blutenden Wunde

Risiken bei der Wundversorgung

Das Ziel der Wundversorgung ist, die natürliche Wundheilung so gut wie möglich zu unterstützen und dabei gleichzeitig Infektionen und anderen Störungen der Wundheilung vorzubeugen.

Diese Störungen der Wundheilung sind auch die Risiken, die bei jeder Wundversorgung drohen und bei einer chronischen Wunde (in Krankenhausumgebungen, die mit multiresistenten Keimen belastet sind) nur sehr schwer einzudämmen sind. Leider sind Störungen der Wundheilung sehr vielfältig.

Lokale Faktoren

Störungen der Wundheilung können durch verschiedene lokale, in der Wunde selbst angesiedelte Faktoren ausgelöst werden, z.B. durch:

  • Infektion der Wunde = Besiedelung mit Bakterien und selten Viren, Pilzen oder Parasiten
  • Wundhämatome, die nur schlecht resorbiert werden
  • (nachträgliche) Verunreinigung
  • Mangelhafte Ruhigstellung der betroffenen Körperteile
  • Spannende (abgeflacht, zu scharf abgegrenzte, eingerollte, unterminierte) Wundränder
  • Entstehung von Hohlräumen, Wundseromen
  • Auseinanderweichen benachbarter Wundränder (Wunddehiszenz) genähter Wunden
  • Neigung zu überschießender Keloidbildung

Allgemeine Faktoren

Wundheilungsstörungen können neben den lokalen Faktoren auch auf allgemeinen Faktoren beruhen:

  • Mangelernährung: Mangel an Fetten, Proteinen, Kohlenhydraten; aber auch Vitaminen oder Mineralstoffen; Wundheilung verursacht einen erhöhten Nährstoffbedarf
  • Mangelversorgung mit Sauerstoff (Hypoxie) im Wundgewebe, z. B. durch Grunderkrankungen wie Anämie, Diabetes mellitus, Chronisch-venöse Insuffizienz (CVI), Periphere Arterielle Verschlusskrankheit (PAVK, Schaufensterkrankheit)
  • Immundefizienz, z. B. aufgrund von Tumor-Erkrankungen und Zytostatika, chronischen Infektionskrankheiten, (therapeutischer) Immunsuppression
  • Fortgeschrittenes Alter mit schlechter Hautdurchblutung und Immunsschwäche
  • Einnahme von Antikoagulanzien

Jeder mit Wundversorgung Betraute wirkt diesen Risiken am besten entgegen, wenn er sich ständig weiterbildet, weil die verschiedenen Ursachen von Wundheilungsstörungen immer besser erforscht werden und auch laufend neue Ideen, Materialien und Methoden entwickelt werden, um Wundheilungsstörungen besser in den Griff zu bekommen und bei jeder Wundversorgung sorgfältig, konsequent und regelmäßig vorgeht, dabei die vollständige Einhaltung des gerade geschilderten Grundschemas immer wieder aufmerksam nachprüft und ggf. rechtzeitig auf eine eventuelle Änderung der Wundversorgung hinwirkt.

Fazit

Wundversorgung ist ein weites Feld, in dem heftig geforscht wird, sodass immer wieder Neuerungen zu lernen sind. Und doch bleibt der “Rhythmus” Reinigung, Desinfektion und Wundverschluss erhalten; auch die drei Phasen Exsudation, Granulation und Epithelisierung mitsamt ihren spezifischen Anforderungen bilden eine Art festes Grundgerüst, an dem sich jeder in der Wundversorgung Tätige immer wieder orientieren kann.

Es müssen nur noch fachliche Neugier, Interesse für den Patienten, Aufmerksamkeit und Sorgfalt dazukommen, dann liegt die optimale Wundversorgung schon in sehr greifbarer Nähe.

Quelle: Was ist Wundversorgung? – Alles rund ums Thema | Mediset